Aktualisierte Information zum Umgang mit Corona

Neuss, den 08.05.2020

Einschätzung des Bundesvorstands zum Umgang mit der Corona-Pandemie

Liebe Pfadfinderinnen und Pfadfinder,

wir haben uns lange nicht mit einer neuen Lage-Einschätzung bei euch gemeldet, obwohl in der Zwischenzeit sehr viel passiert ist. Aus unserer Sicht waren die Regelungen, die in dieser Zeit beschlossen wurden, galten und gelten aber so eindeutig, dass es keiner besonderen Einschätzung von unserer Seite bedurfte. Die meisten Menschen im Verband haben sich wahrscheinlich inzwischen mehr und mehr daran gewöhnt, Gruppenstunden und Leiterrunden, aber auch Treffen von Gremien und Arbeitsgruppen per Videokonferenz abzuhalten. Auch im Bundesamt hat sich die Arbeitsweise eingespielt, dass viele von zuhause aus arbeiten und die anderen in Einzelbüros sitzen und möglichst wenig direkten Kontakt miteinander haben. Veranstaltungen auf Bundesebene haben wir abgesagt oder umgeplant – die erste digitale Bundesversammlung ist in Vorbereitung, aus der Blauderei ist das webKamp entstanden und auch die ersten von uns abgesagten Veranstaltungen, die Bundesfachkonferenzen, werden gerade in digitaler Form neu terminiert.

Wir freuen uns, dass es weiterhin so viel kreatives, Gemeinschaft stiftendes und solidarisches Engagement in unserem Verband gibt und dass so viele von euch in dieser ungewohnten Situation weiter sichtbar ihre pfadfinderischen Werte leben.

Dennoch bleibt die Situation an vielen Stellen noch ungewiss und herausfordernd und ist teils auch mit deutlichen Einschnitten für unser Verbandsleben verbunden. Wie viele andere Betriebe auch, spüren wir zum Beispiel auf Bundesebene, dass es im Rüsthaus mit ausbleibenden Bestellungen und im Bundeszentrum mit der andauernden Schließung wirtschaftlich schwierig wird und bemühen uns, gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden Wege zu finden, die uns trotz aktuell harter Einschnitte durch die Krise hindurch führen können.

Vereinzelt haben uns Anfragen erreicht, ob die Mitgliedsbeiträge für die Zeit der Pandemie reduziert oder ausgesetzt werden, da ja in dieser Zeit keine Gruppenstunden oder andere Veranstaltungen stattfinden. Das wird pauschal nicht möglich sein, weil auch in dieser Zeit im Bundesamt und in den Diözesanbüros für den Verband gearbeitet wird und entsprechende Ausgaben, beispielsweise für das Personal, anfallen. Dies ist unter anderem notwendig, um die weitere strukturierte Arbeit zu gewährleisten, um die Interessen der Jugendarbeit bei der Vergabe von staatlichen Hilfen zu vertreten, Angebote wie www.scoutingneverstops.de machen zu können und einen guten Neustart zu unterstützen, sobald der möglich sein wird. Auch die Versicherungen, die im Mitgliedsbeitrag enthalten sind, müssen von uns weiter bezahlt werden und die Mitgliederzeitschrift wird trotz Corona in der gewohnten Auflage erscheinen. Natürlich ist uns bewusst, dass für nicht wenige Familien gerade die Existenzgrundlage oder zumindest das normalerweise eingeplante Haushaltseinkommen in Frage steht, reduziert ist oder ganz wegbricht. Das soll selbstverständlich niemanden dazu bringen, die Kinder von den Pfadfindern abzumelden! Für diese Fälle verweisen wir auf die Möglichkeit, den Beitrag auf den Sozialbeitrag umstellen zu lassen. Außerdem bemühen wir uns gerade in Zusammenarbeit mit der Stiftung darum, eine weitere unbürokratische Unterstützung für betroffene Familien einzurichten.

Im gesellschaftlichen Umgang mit der Pandemie treten wir jetzt in eine Phase ein, die viele schon länger herbeigesehnt haben und die vielleicht noch schwieriger als die bisherige wird: es gibt Lockerungen der bisherigen klaren Regelungen. Diese Lockerungen erfolgen in den einzelnen Bundesländern mit unterschiedlichen Regeln und zu verschiedenen Zeiten. Das ist sinnvoll, da Fallzahlen und Neuansteckungen wie auch die Kapazität des Gesundheitssystems regional unterschiedlich sind. Für uns macht es das aber schwierig bis unmöglich, euch konkrete Empfehlungen zu geben. Daher können wir euch nur sehr allgemein bitten: behaltet in dieser Phase unbedingt die Geduld und überstürzt nichts. Auch jetzt ist es weiterhin wichtig, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, weil die Pandemie noch nicht vorbei ist und die Lockerungen auf Grundlage der Einhaltung dieser Regeln geplant wurden. Auch die Kontaktbeschränkung im öffentlichen Raum bleibt mindestens bis zum 5.6. bundesweit bestehen.

Achtet genau darauf, welche Regeln in eurem Bundesland und in eurer Diözese für euch gelten. Dabei sind die allgemein gültigen Regeln genauso von Bedeutung wie besondere Regeln für Vereine, Veranstaltungen oder Versammlungen. Anders als beim Herunterfahren der Aktivitäten können wir euch jetzt auch nicht empfehlen, euch an den Schulen zu orientieren, weil für sie andere Regeln und Fristen gelten als für die Jugendarbeit im außerschulischen Bereich.

Auch wenn Gruppenstunden wieder möglich werden sollten, achtet genau auf die Regelungen, die einzuhalten sind und überlegt gut, ob ihr diese erfüllen könnt – und ob ihr euch unter diesen Bedingungen eine Gruppenstunde vorstellen könnt! Ein Abstand von 1,5m zwischen den Kindern ist z.B. in einem Klassenraum mit wenigen Kindern an Einzeltischen gut einzuhalten, in einem Gruppenraum oder selbst draußen bei den üblichen Aktivitäten einer Gruppenstunde eher schwierig. Auch die Frage, ob es ausreichend Möglichkeiten zum Händewaschen oder –desinfizieren gibt, muss geklärt sein. Macht euch bewusst, welche Aktivitäten mit den Abstandsregeln möglich sein werden und welche nicht und überlegt gut, ob ihr so eine Gruppenstunde anbieten wollt. Lasst euch nicht durch Erwartungen oder Forderungen Außenstehender drängen, sondern tut nur das, was ihr mit Blick auf euch selbst und auf die euch anvertrauten Kinder und Jugendlichen gut verantworten könnt und sinnvoll findet.

Mit der weiteren Geltung der Kontaktbeschränkungen bis mindestens zum 5.6. ist die Durchführung von Pfingstlagern aus unserer Sicht in diesem Jahr nicht möglich.

Für Sommerlager gibt es nach unserer Einschätzung noch nicht so eine klare Lage. Die Möglichkeit von Auslandsreisen wird für diesen Sommer immer unwahrscheinlicher, nachdem die allgemeine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bereits bis mindestens einschließlich 14.6. verlängert wurde.

Innerhalb Deutschlands könnten sich durch die schrittweise Öffnung von Zeltplätzen und die Wiederaufnahme touristischer Aktivitäten Möglichkeiten ergeben, Zeltlager durchzuführen.

Bei allen Planungen gilt hier weiterhin: behaltet alle Faktoren im Blick (Rechtliche Regelungen, Stornofristen, Situation und Interessen der Leitenden und der Teilnehmenden, …). Schaut, zu welchem Zeitpunkt ihr eine Entscheidung treffen müsst oder könnt (Wer braucht wann Planungssicherheit? Gibt es inzwischen klare Regelungen für den geplanten Zeitraum, die eine Durchführung unmöglich machen?…). Dokumentiert im Idealfall eure Überlegungen und wer wann in Beratungen und Entscheidungen einbezogen war etc. und kommuniziert dann so bald und so klar wie möglich.

Wir werden auch weiterhin die Entwicklungen aufmerksam beobachten und uns wieder bei euch melden, sobald wir neue Informationen oder Empfehlungen haben.

In diesem Sinne: bleibt geduldig, gesund und fröhlich!

Herzliche Grüße und gut Pfad
euer Bundesvorstand

 

 

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